Bezirksvorsteher Ralf W. Münster ist seit 18. Februar im Ruhestand. Im Interview gibt er uns einen tiefen Einblick in die vergangenen mehr als vier Jahrzehnte als Amtsträger.
Vor 46 Jahren empfing Ralf W. Münster seinen ersten Amtsauftrag durch den damaligen Bezirksapostel Gottfried Rockenfelder. Damals noch in der Gebietskirche Hessen. Er durchlief die, zu dieser Zeit übliche Amtsstruktur, vom Unterdiakon, Diakon und Priester. Durch zwei Umzüge wohnte die Familie in der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen, dort wurde er vor 28 Jahren durch den damaligen Bezirksapostel Horst Ehlebracht in das Amt des Bezirksevangelisten ordiniert.
Nach einigen Jahren stand ein berufsbedingter Umzug nach Hersbruck, Süddeutschland an.
Der damalige Bezirksvorsteher, Bezirksältester Helmut Simon und der gesamte Bezirk freuten sich über diese Unterstützung, sowohl in der Seelsorge als auch in der Verwaltung des Bezirkes Nürnberg-Ost. 2010 übernahm Ralf W. Münster die Bezirksverantwortung als Bezirksvorsteher im Amt des Bezirksältesten, als Bezirksälteste Helmut Simon altersbedingt in den Ruhestand trat.
14 Jahre leitete Ralf W. Münster den Kirchenbezirk, bis er am 18. Februar 2024 durch Bezirksapostel Michael Ehrich in den Ruhestand versetzt wurde.
Wir blicken zurück auf 46 Jahre als Amtsträger, 28 Jahre im Bezirksamt und 14 Jahre in der Verantwortung des Bezirkes.
Ich war noch nicht verheiratet, hatte gerade meinen 15-monatigen Wehrdienst beendet und eine Berufsausbildung begonnen. Der Ruf als Unterdiakon erreichte mich völlig überraschend, denn zur damaligen Zeit wurde man vorher nicht gefragt. JA, habe ich gerne gesagt, weil ich immer Gottes Beistand und Hilfe erleben durfte und damit auch etwas zurückgeben wollte.
Ich kann nicht so einfach einen Lieblingsamtsauftrag benennen, da ich mich in allen Amtsstufen immer sehr wohlgefühlt habe. Der Diakonendienst hat aber ein besonderes Gepräge gehabt. Man hat noch keine große Verantwortung, erlebt aber schon viel Freude, zum Beispiel beim Begrüßen der Geschwister vor dem Gottesdienst.
In meiner Jugendzeit habe ich im gemischten Chor, Jugend- und Männerchor gesungen, habe die Orgel in der Gemeinde und auch bei regionalen Gottesdiensten gespielt und im Gemeinde- und Bezirksorchester Fagott gespielt. Außerdem war ich Dirigent beim Kinderchor, Gemeindechor, Jugendchor, habe in der Jugendarbeit mitgewirkt und bin in der Missionsarbeit in Nord-Russland und der Ukraine tätig gewesen.
Mir war es immer wichtig, mit den Schwestern und Brüdern auf Augenhöhe zu sprechen und mich auf die Kraft aus dem Amtsvermögen zu verlassen. Ich, als Mensch, kann keine Seelsorge leisten, da brauchen wir unseren großen Gott als Geber aller guten Gaben. Nur so konnte ich an den Seelen der Anvertrauten arbeiten.
Der Umzug nach Franken war nicht unser erster Wohnortwechsel. Mit meinen Eltern war ich bereits einmal umgezogen und auch mit meiner Familie gab es zwei Umzüge, bevor wir nach Franken kamen. Insofern hatten wir schon Übung😊. Trotzdem fiel uns jeder Umzug nicht leicht, weil es in jeder neuen Gemeinde, in jedem neuen Bezirk schöne Erlebnisse, gute Erfahrungen und Freunde gegeben hat und noch gibt. Die Verbindung zu Freunden und etlichen Geschwistern in allen bisherigen Bezirken halten wir auch nach wie vor. Klischees gab es für uns keine, wir sind immer offen auf die Menschen in unserer neuen Heimat zugegangen und haben uns selbst ein Bild von den Gepflogenheiten in der neuen Umgebung gemacht.
Da gibt es kein Datum, wir haben uns von Anfang an in Franken wohlgefühlt und hatten nicht das Gefühl, wir müssten erst noch ankommen. Die Gemeinde Hersbruck, in der wir Zuhause waren und sind, hat uns herzlich aufgenommen und konnte uns als Chorsänger und Organist gut brauchen!
Da kann ich nichts anführen. Wir sind nach wie vor mit den Gemeinden verbunden und haben Freunde überall gefunden, wo wir gelebt haben. Dadurch vermissen wir nichts. Ein kleines Manko ist höchstens die räumliche Entfernung, die einen Spontanbesuch bei Freunden in den jeweiligen Bezirken unmöglich macht.
Zunächst begann die Reise mit unserem damaligen Apostel Dieter Prause, der unbedingt im Sommer 2010 einen Besuch bei uns machen wollte. Wir wussten, dass unser Bezirksältester Helmut Simon im Herbst in den Ruhestand treten wird, haben aber nicht mit der Frage gerechnet, ob ich seine Nachfolge als Bezirksältester antrete. Unser Apostel hatte uns ja bereits im Frühjahr besucht und nachdem die Amtsnachfolge dabei kein Thema war, war ich entspannt – bis zu dem zweiten Termin. Es war übrigens das erste Mal, dass ich vor einem neuen Amtsauftrag gefragt wurde. Wie bei jedem Amtsauftrag habe ich auch diese Aufgabe im Vertrauen auf unseren großen Gott angenommen.
Besondere Herausforderungen gab es nicht. Die Gemeinden waren durch Bezirksältesten Simon und seine Vertreter gut versorgt und betreut worden. Ich habe ja auch schon seit 2004 mit ihm zusammengearbeitet.
In der Zeit meiner Amtstätigkeit gab es demografische Veränderungen, eine Corona-Krise und plötzliche Heimgänge, zum Beispiel von Bezirksevangelist Holmer Fischer, die die Arbeit im Bezirksamt beeinflusst haben.
Die Liebe zu den anvertrauten Schwestern und Brüdern, im Bewusstsein, dass ich mich nicht selber an diese Stelle gestellt habe. Dazu immer wieder das Erleben der göttlichen Nähe, der die unvollkommene Arbeit eines Menschen vollkommen gemacht hat.
Auch dabei kann ich keine Rangliste erstellen. Es gab so viele Begegnungen mit Vorangängern und Geschwistern, die im Herzen stehen. Es wäre nicht richtig, daraus Erlebnisse herauszulösen.
Ich bin den Brüdern, die in den Gemeinden Verantwortung tragen, aber auch allen Schwestern und Brüdern in den Gemeinden sehr dankbar, dass wir so ein schönes Miteinander pflegen konnten. Zur Arbeit mit den Vorstehern gehörte auch die, oftmals kontroverse, Diskussion über Themen der Organisation. Das führte aber nie zu einem Konflikt, sondern wurde immer in brüderlicher Liebe besprochen. Das jeweilige Ergebnis trugen dann alle Brüder mit und vertraten es ihren Anvertrauten gegenüber glaubwürdig
Die Jugend und die Kinder habe ich sehr gerne unterstützt, denn sie brauchen auch die Möglichkeiten sich altersgerecht zu entwickeln. Wir haben den Ü60 Tag eingeführt im Bezirk und damit den Seniorengottesdienst zu einem ereignisreichen Tag der Begegnung gemacht. Es gab im Kreis der Vorsteher jährlich ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier. Ebenfalls haben wir im Vorsteherkreis unsere monatlichen Versammlungen auf eine Gesprächsrunde verändert.
Der Bezirk hat sich verändert, weil es Gemeindezusammenführungen gegeben hat: Sulzbach-Rosenberg mit Amberg, Nürnberg-Birkenwald mit Nürnberg-Süd, Eckental mit Lauf und Neumarkt mit Altdorf. Da war es wichtig, die Brüder und Geschwister möglichst frühzeitig zu involvieren, da es doch für alle Beteiligten kein einfacher Weg ist.
Eine große Veränderung war auch die Neuordnung der Bezirke im nordbayrischen Raum des Apostelbereiches im Jahr 2019. Unser Bezirk wuchs um 5 Gemeinden des bisherigen Bezirkes Nürnberg-West – Ansbach, Fürth, Nürnberg-Mitte, Wilhermsdorf und Zirndorf. 2023 kamen noch die Gemeinden Bad Windsheim und Neustadt/Aisch aus dem Bezirk Erlangen-Würzburg zu unserem Bezirk. Ich kann sagen, dass ich mich in allen 18 Gemeinden des großen Bezirkes sehr wohlgefühlt habe.
Ich kann mich an solche Momente nicht erinnern. Wenn der große Gott der Lenker aller Dinge ist, muss ich auch meine Arbeit in seinem Dienst in der Verbindung zu ihm sehen und annehmen. Vielleicht hat es mir auch geholfen, dass ich zu Themen, in denen ich mich nicht auskenne, keine Ratschläge gegeben habe.
Die schon angesprochene, demografische Entwicklung der Gesellschaft, geht auch an unseren Gemeinden nicht vorbei. Insofern muss man eher von negativem Wachstum sprechen, denn die Gemeinden sind kleiner geworden, es gibt weniger Schwestern und Brüder, die sich engagieren und das stellt die Gemeinde- und Bezirksleitung vor besondere Herausforderungen. Aber es ist immer wieder schön, wenn man die Freude und Begeisterung in den Gemeinden sehen kann und die Liebe untereinander. Wir verwalten keinen Mangel, sondern freuen uns über jegliche Aktivität, die möglich ist. Da sprechen wir auch manchmal von besonderen Lösungen, die miteinander entwickelt werden konnten.
Da nenne ich zuerst meine Familie, die mich immer unterstützt hat. Besonders meine Frau hat mir den „Rücken freigehalten“, denn eine ehrenamtliche Aufgabe in einem Flächenbezirk wie Nürnberg braucht alleine für die Fahrzeiten viel Raum. Dann haben mich immer meine Apostel und Bischöfe unterstützt, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Auch die Amtsträger und Geschwister in den Gemeinden haben mich durch ihre aktive Mitarbeit und die vielen Gebete für mich unterstützt.
Die Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen hat sich in den letzten Jahren verstärkt positiv entwickelt. Es gab Gastmitgliedschaften im ACK auf Gemeindeebene und auch gute Beziehungen zu den Pfarrern und Pastoren vor Ort. Mittlerweile ist die Neuapostolische Kirche Süddeutschland in ganz Bayern Gastmitglied im ACK (Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen).
Die Arbeit an zukünftigen Themen kann nicht gelingen, wenn man alles alleine machen will. Das ist nicht meine Art, mit Themen umzugehen. Insofern ist die Mitwirkung von Schwestern und Brüdern essenziell.
Ich habe vor, mich nicht in Dinge einzumischen, für die ich keine Verantwortung trage. Ich werde in der Gemeinde, zu der wir gehören, mit meinen Gaben mitwirken und auch immer wieder zu Gottesdiensten in Gemeinden des Bezirkes reisen, um die Gemeinschaft mit den Schwestern und Brüdern, die mir ans Herz gewachsen sind, zu pflegen.
Ich werde die Hände nicht in den Schoß legen. Wie es ja bekannt ist, spielt Musik in meinem Leben eine große Rolle. Einen Teil meiner Freizeit investiere ich als Chorleiter in Chören in meiner Wohnortregion. Damit wird mir nicht langweilig!
Verlass Dich in allen Dingen auf den großen Gott, er hat einen Plan und kennt den Weg.
Ich wünsche ihm mindestens so viel Freude bei seiner Arbeit, wie ich sie erleben durfte.
Herzlichen Dank für die vielen Einblicke in 46 Jahre als Amtsträger und alles Gute, Gottes Segen und viel Freude für kommende Zeit.
Interview: Heike Stiegler